Klassifikation
der Depressionen
Gliederung der nachfolgenden
Ausführungen zum Thema Depression:
I) Endogene
Depression
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Unter
einer endogenen Depression versteht man ein
Krankheitsbild, für das weder bekannte körperliche
noch psychische Ursachen verantwortlich zu machen
sind.
Vielmehr
werden "endogene", also von innen
heraus enstandene, im wesentlichen noch unbekannte
Ursachen angenommen. Die Ätiologie der endogenen
Depression ist noch nicht geklärt.
Als
mögliche Ursachen werden Stoffwechselstörungen
der Gehirnzellen (z.B. Noradrenalin- oder Serotoninmangel)
oder eine genetische Prädisposition diskutiert.
Endogene
Depressionen werden unterteilt in unipolare
und bipolare Depressionen.
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Typisch
für endogene Depressionen ist ihr phasenhafter
Verlauf.
Sie beginnen in
der Regel meist langsam, ohne erkennbaren Anlaß, im
Verlauf von mehreren Tagen oder Wochen und klingen
nach unterschiedlich langer Zeit, meist nach einigen
Monaten, ohne äußere Einflüsse und ohne Therapie wieder
ab. Dabei hinterlassen sie in der Regel keinerlei
Restsymptome oder Folgezustände.
Solche depressiven
Phasen können mehrmals im Laufe eines Lebens auftreten,
manchmal aber auch einmalig sein.
Ist die endogene
depressive Phase abgeklungen, besteht in der Regel
wieder ein Zustand völliger geistiger Gesundheit.
Dies bedeutet, daß die Betroffenen zwischen ihren
Krankheitsphasen psychisch unauffällig sind.
Möglicherweise
machen viele Menschen gelegentlich leichte endogene
Verstimmungen durch, ohne daß diese als krankhaft
angesehen werden oder zu einer Therapie führen.
Ausgeprägte
endogene Depressionen, die auch als sog. "rezidivierende
depressive Störungen" bezeichnet werden, stellen
dagegen ein schweres Krankheitsbild dar, das oftmals
sogar eine stationäre Therapie erfordert.
a)
Unipolare Depression
Dies sind solche depressive
Erkrankungsformen, die immer n u r als Depressionen
auftreten.
Hierzu gehört
die häufigste endogene Depression, die klassische
"Melancholie" (Gemütskrankheit).
Bei unipolaren Depressionen treten durchschnittlich
4 Erkrankungsphasen auf.
b)
Bipolare Depression
Dies sind psychische
Erkrankungsformen, bei denen sich depressive Phasen
mit manischen Phasen abwechseln.
Zwischen der depressiven und der manischen Phase können
Monate oder gar Jahre liegen. Die bipolaren Erkrankungen
werden auch als "manisch-depressive Erkrankungen"
bezeichnet.
Häufigkeit
der endogenen Depression
Die Erkrankungswahrscheinlichkeit
für die endogene Depression liegt zwischen 0,4% und
1,0%.
Sie nimmt bei erblicher Belastung mit zunehmenden
Verwandtschaftsgrad zu, beträgt bei Eltern, Kindern
und Geschwistern 10-15%. Eineiige Zwillinge sind zu
70% konkordant.
Frauen erkranken häufiger als Männer (Verhältnis 7:3)
an einer endogenen Depression.
Alter
bei Erkrankungsbeginn
Ein Erwachsener
kann in jedem Alter an einer depressiven oder manischen
Phase erkranken.
Im Durchschnitt
liegt das mittlere Erkrankungsalter bei bipolaren
Erkrankungen zwischen dem 30. und 40., bei monopolaren
Depressionen zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr.
Anzahl
der Phasen
Etwa 20-30% der
Patienten mit monopolaren Depressionen erkranken nur
einmal im Leben.
Bei bipolaren Krankheiten sind Verläufe mit nur 1
manischen oder depressiven Phase sehr selten.
Monopolare Depressionen treten im Verlauf des Lebens
durchschnittlich 5 mal, bipolare Krankheiten durchschnittlich
10 mal auf.
Von bipolaren Krankheiten mit schnellem Phasenwechsel
spricht man, wenn innerhalb eines Jahres mindestens
4 manisch oder depressive Phasen im Wechsel auftreten.
Diese Verlaufsform
findet sich bei 20% aller Patienten mit bipolarer
Krankheit und tritt bei Frauen häufiger auf als bei
Männern.
Der schnelle Phasenwechsel
dauert in der Regel nur 1-2 Jahre, dann folgen die
Phasen nicht mehr so schnell aufeinander.
Dauer
der Phasen
Bei monopolaren
Depressionen dauert eine Phase durchschnittlich 5
Monate. Bei bipolaren Erkrankungen beträgt die Phasenlänge
sowohl für die manische als auch für die depressive
Phase etwa 4 Monate. Die Dauer depressiver Phasen
zeigt jedoch sehr starke individuelle Schwankungen
und kann von 1 Tag bis zu mehr als 1 Jahr andauern.
Zeit zwischen
den Phasen
Die Zeit zwischen
den Phasen, d.h. die Zeit ohne Krankheitserscheinungen
beträgt bei der monopolaren Depression im Durchschnitt
etwa 4 Jahre, bei bipolaren Krankheiten etwa 2 Jahre.
Bei spätem Beginn der Erkrankung folgen die Phasen
rascher aufeinander.
Wer in jungen Jahren erstmals erkrankt, kann also
mit längeren Zeiten ohne Symptome rechnen.
Langzeitverlauf
Depression und Manie
gelten im allgemeinen als günstig verlaufende Krankheiten.
Etwa 80-90% der Pateinten werden nach Abklingen der
der Phasen wieder gesund.
Rund 10-20% der Patienten erleiden sehr langgezogene
Phasen, deren Symptome sich meist erst im Verlauf
von Jahren abschwächen.
Nur bei etwa 7% der Patienten heilen diese Phasen
nicht vollständig aus. Die Betroffenen leiden unter
körperlichen Beschwerden ohne organisch krank zu sein,
haben weniger Schwung und sind weniger belastbar als
in der Zeit vor der Erkrankung.
II) Somatogene
Depression
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Dies
sind Depressionen, bei denen ein direkter
kausaler Zusammenhang mit einer körperlichen
Erkrankung besteht.
Solche
körperlich begründbare (somatogene) Depressionsformen
sind in psychiatrischen Kliniken selten anzutreffen,
da sie als psychische Symptomatik odser Begleiterkrankungen
bei internistischen, neurologischen, orthopädischen,
chirurgischen oder gynäkologischen Erkrankungen
auftreten.
Die
somatogenen Depressionen werden unterteilt
in : symptomatische Depressionen,
organische Depressionen und
pharmakogene Depressionen.
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a)
Symptomatische
Depressionen,
bei denen die Depression Symptom einer außerhalb des
Gehirns lokalisierten Erkrankung ist.
Solche Erkrankungen
sind z.B.:
- Endokrine Erkrankungen
(z.B. Schilddrüsenstörungen, Morbus Cushing, Morbus
Addison)
- Infektionskrankheiten
(z.B. AIDS, Pneumonien, Tbc, Lupus erythematodes)
- Chronische Herz-Kreislauferkrankungen
(z.B. Herzinsuffizienz)
- Nierenerkrankungen
(z.B. Niereninsuffizienz)
- Lebererkrankungen
- Pankreaskarzinom
- Chronisch obstruktive
Lungenerkrankungen
- Vitaminmangelerkrankungen
b) Pharmakogene
Depressionen,
die durch bestimmte Medikamente ausgelöstwerden
so z.B. durch:
- Antihypertonika -
am bekanntesten hierfür ist Reserpin
- Kortikosteroide
- Ältere orale Kontrazeptiva
- Zytostatika
- Antiepileptika
- Neuroleptika
- Hypnotika (z.B. bromhaltige
Schlafmittel)
- chronischer Alkoholmißbrauch
c) von
organischen
Depressionen spricht
man, wenn eine Erkrankung des Gehirns die Ursache
der Depression ist.
Solche Erkrankungen sind z.B.:
- Hirntumore
- Morbus Parkinson
- Migräne
- Epilepsie
- Hirnatrophie
- Hirnarteriosklerose
III) Psychogene
Depression
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Dies
sind Depressionen, die durch psychische Ursachen
hervorgerufen wurden.
Es besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen
nachweisbaren seelischen Anlässen und Motiven
(Auslöser) und der depressiven Symptomatik.
Dabei führen akute und chronische Konfliktkonstellationen,
häufig auf der Basis einer neurotischen Entwicklung,
zu Depressionen.
Innerhalb der psychogenen Depressionen unterscheidet
man die Erschöpfungsdepression,
die neurotische Depression
und die reaktive Depression.
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A) Erschöpfungs
Depression
Dies sind depressive
Zustände, die durch chronische, stark affektiv
belastende, Umweltreize, wie z.B. familiäre
oder berufliche Dauerspannungen hervorgerufen werden.
Diese Zustände gehen häufig mit vermehrten somatischen
Beschwerden einher.
Die Betroffenen sind dabei eingespannt zwischen Vorgesetzten
und Untergebenen oder Kindern und Ehemann, denen sie
es beiden recht machen möchten, weil sie von ihrer
Persönlichkeitsstruktur her auf Ordenlichkeit, Perfektionismus
auf Pflichterfüllung und Harmonie angelegte Menschen
sind.
Die depressive Entwicklung geht mit einem Gefühl von
Resignation, Ohnmacht und Ausgeliefertsein sowie vegetativen
Symptomen einher.
B)
Neurotische Depression
Hierunter versteht
man Depressionen, deren Entstehung im lebensgeschichtlichen
Zusammenhang gesehen werden müssen.
Es handelt sich um Störungen der psychischen Erlebnisverarbeitung,
die meistens nicht auf akute Konflikte zurückzuführen
sind, sondern in ihren Ursprung in einer inadäquaten
Verarbeitung chronischer Konfliktsituationen haben,
für die eine Einsicht von seiten des Patienten fehlt.
Die Konflikte sind häufig in der früheren oder späteren
kindlichen Entwicklung entstanden. Eine besondere
Bedeutung haben für diese Entwicklungen, unbewußte
Abwehrmechanismen, die das Individium vor drohenden
Konflikten bei verschiedenen Triebansprüchen schützen
soll.
Es wird häufig beobachtet, daß bei Patienten mit einer
depressiven Persönlichkeitsstruktur die Geborgenheit,
Zärtlichkeit und Sicherheit in der frühen Kindheit
fehlten. So blieb das passive Liebesverlangen des
Kindes immer wieder frustriert.
Frühzeitig können sich Gehemmtheit und Kontaktstörungen
entwickeln.
Im Erwachsenenalter halten sich diese Patienten dann
passiv zurück, lassen sich überfordern und können
ihre eigenen Möglichkeiten nicht wahrnehmen, und das
Selbstwertgefühl ist beeinträchtigt.
Diese Entwicklungsstörung gewinnt erst dann an Bedeutung,
wenn im späteren Leben, zum Beispiel durch Trennungs-,
oder Überforderungssituationen der unbewußt bestehende
Konflikt aktualisiert wird. Es müssen folglich lebensgeschichtlich
erworbene, neurotische Problemlösungsstrategien plus
ein auslösendes Ereignis vorliegen.
Das Ausbleiben der gewohnten Sicherheit, Beachtung
oder Hingabe wird dann mit einer depressiven Symptomatik
beantwortet.
C)
Reaktive Depression
Im Gegensatz zu einer
neurotischen Depression spricht man von einer reaktiven
Depression dann, wenn die depressive Symptomatik nach
einem aktuellen Konflikt auftritt.
Reaktive Depressionen
treten nach einschneidenden Veränderungen der Lebensverhältnisse
auf und stellen wahrscheinlich die häufigste Depressionsform
in der Allgemeinbevölkerung dar.
Auslösende Ereignisse
können z.B. Tod des Ehepartners, Scheidung, Tod eines
nahen Angehörigen, persönliche Verletzung/ Krankheit,
Kündigung/Arbeitslosigkeit, Pensionierung oder ein
selbstverschuldeter Unfall sein.
Einige Studien konnten belegen, daß solche schwerwiegenden
Lebensereignisse Depressionen verursachen können.
Allerdings waren sie nur bei 20% der Betroffenen tatsächlich
depressionsauslösend; d.h. ein Mensch reagiert auf
eine Belastung mit einer Depression, während ein anderer
mit einer "objektiv" gleich starken Belastung
ohne Schwierigkeiten fertig wird.
Es gibt diese Bereitschaft bestimmter Persönlichkeiten,
im Leben auf spezifische Belastung hin abnorm zu reagieren,
das heißt mit körperlichen oder seelischen Symptomen
zu antworten, und zwar aufgrund unbewußter Konflikte
und Erfahrungen in der Kindheit.
IV) Depression
in besonderen Lebenslagen
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Dies
sind Depressionen, die unter bestimmten Lebensumständen
und Lebensphasen entstehen.
Es
besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen
den spezifischen Lebensumständen und der depressiven
Symptomatik.
Innerhalb
der Depressionen in besonderen Lebenslagen unterscheidet
man die Klimakterische Depression,
die Wochenbett Depression,
die Alters Depression, die
Depression im Kindesalter,
die Sekundäre Depression, die
Larvierte Depression, sowie
die Winterdepression.
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A)
Involutions Depression
oder klimakterische Depression
Man versteht darunter
eine Depression, die durch erstmaliges Auftreten im
Rückbildungsalter, beim Mann zwischen dem 50
-65. Lebensjahr, und bei der Frau ab dem Klimakterium
charakterisiert ist.
Hier sind häufig neben endokrinologischen Veränderungen
noch psychologische Veränderungen in der Partnerbeziehung,
in der Beziehung zu den Kindern und den eigenen Lebenskonzepten
zu bewältigen.
B) Wochenbett
Depression
Dies ist eine depressive
Erkrankung, die meist in der ersten oder zweiten Woche
nach der Geburt, manchmal aber auch
erst 6-8 Wochen danach beginnt. Dabei spielen die
körperlich-hormonellen Umstellungsvorgänge eine auslösende
Rolle.
Bei später beginnenden Depressionen nehmen auch psychologische
Faktoren an Bedeutung zu.
Eine wichtige Rolle spielen Überforderung und Beziehungsstörungen.
Beim ersten Kind wird aus der intimen Zweierbeziehung
eine Dreierbeziehung, in der das Neugeborene dominiert
und häufig als Störung der Ordnung und Einschränkung
der individuellen Freiheit empfunden wird.
C) Alters
Depression
Darunter versteht
man depressive Störungen im Senium (>65
Jahre). Neben den Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems
und des Bewegungsapparates spielen im Alter psychische
Störungen die größte Rolle.
Etwa 10-15% der Menschen jenseits des 65. Lebensjahres
leiden an einer Altersdepression.
In Alters-und Altenpflegeheimen soll der Anteil sogar
bei 30-40% liegen. Dies zeigt, daß nicht die Demenzerkrankungen
die häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter sind,
sondern Depressionen.
Bei älteren Menschen ist die depressive Stimmung häufig
nicht so rasch spürbar. Zunächst werden eher Klagen
über körperliche Beschwerden bis zur "Jammerdepression"
(einer klagsamen Hypochondrie) im Vordergrund stehen
und erst auf Befragen wird von Freudlosigkeit oder
der Unfähigkeit, Gefühle zu empfinden, berichtet.
Bei alten Menschen löst die depressive Erkrankungen
häufig eine sehr viel größere Verunsicherung aus als
bei jüngeren Erkrankten, da sie ihre Einstellungen
und Lebenskonzepte weniger rasch ändern können als
letztere.
Das Abschiednehmen von Vergangenem im Leben, von Wünschen,
von Phantasien, die sich nicht verwirklichen ließen,
körperliche Einschränkungen, neu enstehende Abhängigkeiten
von der jüngeren Generation, Gefühle von Abgeschobensein,
der Isolation, des Überflüssigseins, all dies sind
Sorgen und Probleme der Depressionskranken im höheren
Lebensalter.
D) Depression
im Kindesalter
Bei depressiven Kleinkindern
und Kindern stehen neben der Unruhe vor allem ein
gestörtes Spielverhalten und anfallsartiges Schreien
und Weinen, neben Schlaf- und Appetitstörungen im
im Vordergrund.
Bei jüngeren depressiven Schulkindern werden als Auffälligkeiten:
- Unsicherheit, Reizbarkeit, Lernstörungen, gestörtes
Sozialverhalten, Enuresis, Pavor nocturnus, sowie
anfallsartiges Schreien und Weinen beobachtet.
Ältere Kinder und Jugendliche leiden wesentlich öfter
an Depressionen als man bisher gemeinhin annahm.
So betrug in einer großen epidemiologischen Studie
im Jahr 1991 die Rate schwerer Depressionen bei 15-
bis 24jährigen 18%.
Damit ist die Depressionsrate in dieser Altersgruppe
5 mal höher als bei den über 55jährigen ! Die Häufigkeit
der Depressionen bei jungen Leuten nahm in den den
letzten 20 Jahren enorm zu.
Als Symtome stehen Bedrücktheit, Grübeln, Minderwertigkeitsgefühle,
Kopfdruck und Suizidgedanken im Vordergrund.
E) Sekundäre
Depression
Darunter versteht
man Depressionen, die erst als Folge (sekundär)
einer vorher bestehenden, primären psychischen
oder körperlichen Erkrankung entstehen.
Häufig sind Depressionen die Folge längerfristiger
Angststörungen, wobei die Depressivität als Folge
der veränderten Lebenssituation ensteht, wenn z.B.
durch die Angst, aus dem Haus zu gehen, einzukaufen,
sich auf großen Plätzen zu bewegen, mit anderen Menschen
in Kontakt zu treten usw., immer mehr Einschränkungen
auftreten.
Bekannt sind sekundäre depressive Verstimmungen auch
bei chronisch Suchtkranken, die z.B. beim Alkoholkranken
im Rückfall auch für die erhöhte Suizidgefahr verantwortlich
gemacht werden.
Von den Patienten mit Tumorerkrankungen weisen rund
30% im Verlauf ihrer Krankheit depressive Verstimmungen
auf, die behandlungsbedürftig sind.
Bei zahlreichen chronischen körperlichen Erkrankungen
treten ebenso Depressionen häufig auf.
F) Larvierte
Depression
Hierunter versteht
man Depressionen, die sich hinter der "Maske"
körperlicher Beschwerden verstecken.
Etwa 50% aller Patienten, die körperliche Beschwerden
haben und bei denen sich trotz intensiver Diagnostik
keine somatische Erkrankung nachweisen läßt, haben
eine lavierte Depression.
Die Patienten suchen wegen ihrer häufig multiplen
körperlichen Beschwerden den Arzt auf, der erst nach
einer gründlichen Anamnese und Diagnostik die depressive
Verstimmung verifizieren kann.
Häufig durchleben diese Patienten eine lange Odysee
von Facharzt zu Facharzt, mit oft langwierigen diagnostischen
und therapeutischen Interventionen, die jedoch auf
längere Sicht erfolglos bleiben müssen.
Häufige Symptome, die für
eine larvierte Depression sprechen sind:
- Chronische Kopfschmerzen
meist in Form eines intermittierenden Druckgefühls
oder brennender Empfindungen.
- Herzsymptome wie
z.B. Pseudo-Angina mit und brennenden Empfindungen,
Druckgefühl und Tachykardie.
- Gastrointestinale
Symptome wie z.B. Blähgefühl, Darmkrämpfe, Obstipation
oder Durchfall.
- Diffuse Schmerzen
im Urogenitaltrakt
- Neuralgiforme Schmerzen
im Gesicht, in der Lumbosakral- oder Zervikothorakalregion.
- Gestörter Schlafrhythmus,
Erschöpfungsgefühle, Mundtrockenheit oder Schweißausbrüche.
Zunächst muß bei derartigen
Symptomen natürlich eine organische Ursache ausgeschlossen
werden, dann sollte jedoch regelmäßig nach einer Depression
gefahndet werden.
G) Winter
Depression
Der Begriff
der "Winterdepression" (seasonal affective
disorder, SAD) wurde von amerikanischen Psychiatern
geprägt. Es ist bisher noch unklar, ob es sich hierbei
um eine eigenständige Krankheit handelt.
Winterdepressionen sind leichte bis mittelschwere
Depressionen, die bei den Betroffenen besonders im
Herbst und im Winter auftreten, wenn die Sonne nur
noch wenige Stunden am Tag scheint.
Die Patienten haben in diesen dunklen Jahreszeiten
weniger Antrieb als im Sommer, sind weniger initiativ,
ziehen sich sozial zurück, sind gedrückt und verstimmt,
schlafen länger und haben ein gesteigertes Eßbedürfnis.
Als Ursache für die Winterdepressionen wird eine veränderte
zirkadiane Rhythmik der Melatonin-Ausschüttung
diskutiert.
Die Melatonin-Synthese wird durch Licht gehemmt und
das Hormon wird in engem zeitlichen Zusammenhang mit
dem Schlaf-Wach-Rhythmus ausgeschüttet.
So könnte es im lichtarmen Winter zu einer verstärkten
Melatoninauschüttung kommen, die in Verdacht steht
Depressionen zu begünstigen.
Melatonin wird dabei eine Bedeutung bei der Steuerung
der inneren Uhr des zirkadianen Systems beigemessen,
die ihrerseits durch Licht, als externen Zeitgeber
an die Außenzeit angeglichen werden muß.
Hier setzt die therapeutisch die sogenannte "Lichttherapie"
an, bei der die Patienten täglich 2 Stunden vor einem
hellen, weißen Lichtschirm mit einer Intensität von
etwa 2000 bis 2500 Lux sitzen, wobei sie in Minutenabständen
kurzzeitig in das Licht blicken müssen.