|
Gliederung der nachfolgenden
Ausführungen zum Thema Symptome der Depression:
Symptome
der Depression
Das Hauptsymptom sowohl
bei depressiven Verstimmungen als auch bei einer tiefen
Depression ist eine Störung von Stimmung und Gefühlen.
Es handelt sich somit um eine sog. Affektive Störung.
Jeder Mensch kennt das Phänomen, früh morgens aufzuwachen
und sich in einer bestimmten Weise zu fühlen, gestimmt
zu sein. Diese "Gestimmtheit" beeinflußt dann
auch unsere Leistungsfähigkeit, die Kommunikationsfähigkeit,
die Bereitschaft auf Menschen zuzugehen und einzugehen
und insgesamt die Arbeits- und Beziehungsfähigkeit.
Beim gesunden Menschen schwankt diese Stimmung natürlicherweise
in einem bestimmten Bereich auf und ab.
Bei depressiven Störungen, ist dieses Schwingen der
Gestimmtheit nur noch eingeschränkt möglich. Man spricht
von einer "depressiven Herabgestimmtheit".
Die Betroffenen können sich nicht nur nicht mehr richtig
freuen, ihre Stimmung ist nicht mehr aufhellbar, sondern
sie sind oftmals auch nur noch eingeschränkt zu "negativen"
Gefühlen wie Trauer, Wut und Verzweiflung fähig.
Die Bandbreite des emotionalen Erlebens ist stark reduziert.
Die Symptome
der Depression und depressiven Verstimmungen lassen
sich 3 Gruppen unterteilen:
- Psychische Symptome
(affektiv und kognitiv)
- Psychomotorische Symptome
- Vegetative Symptome
I) Psychische
Symptome
- Depressive Herabgestimmtheit,
depressive Verstimmung
- Freudlosigkeit, Gefühllosigkeit,
Nicht-weinen-Können, Weinkrämpfe, Verzweiflung, Dysphorie
- Globale Angstzustände
(vor allem, was auf einen zukommt)
- Angst vor dem Tag und
seinen Anforderungen, objekt- und situationsbezogene
Ängste, Zukunftsangst, übersteigerte Befürchtungen
- Grübelzustände, Gedankenkreisen,
Denkhemmung, Leeregefühl im Kopf, Monotonie in der
Sprache
- Selbstvorwürfe wegen
Nichtkönnen (Insuffizienzgefühl), Versagen und Minderwertigkeit
(Selbstwertstörung), Nichtgeliebt-, Nichtgeschätztwerden,
Schuldgefühle (Selbstverurteilung, -anklage), Klage
über materielle Probleme, Verarmung oder körperliche
Befindlichkeit (Hypochondrie)
- Gefühl von Hilflosigkeit,
Hoffnungslosigkeit; negative Selbsteinschätzung
- Depressiver Wahn: Verarmungs-,
Schuld-, Versündigungs-, Untergangswahn und hypochondrische
Ideen
- Ruhe- und Weglaufwünsche,
Todeswunsch, Suizidideen als Erwägung, Einfall; Suizidabsicht,
frühere Suizidalität
- Klagen über subjektiv
erlebte Merk- und Konzentrationsstörungen
Traurige
Verstimmung
 |
Die
traurige Verstimmung ist oft das dominierende
Symptom bei einem depressiv erkrankten Patienten.
Diese sind hoffnungslos, freudlos und sehen keinen
Weg mehr in die Zukunft.
Die
Gegenwart scheint endlos und die Umwelt wird grau
und farblos wahrgenommen.
Gelegentlich
können Patienten diese traurige Verstimmung nicht
ausdrücken oder nicht einmal mehr als solche empfinden.
Sie berichten dann, daß sie nicht traurig sein
können, daß alles leer, tot und wie versteinert
sei.
Auch
das Nicht-Weinen-Können und das Nicht-Fühlen-Können
kommt bei diesen Patienten vor.
Das
Fehlen subjektiver Trauer geht oft mit innerer
Leere oder dem "Gefühl der Gefühllosigkeit
einher.
|
Angst
und Gereiztheit
 |
Parallel
zur traurigen Verstimmung leiden über 60% der depressiven
Patienten zusätzlich an ängstlichen Verstimmungen.
Meistens
ist es eine unbestimmte allgemeine Lebensangst.
Die
Patienten können nicht angeben wovor sie sich
ängstigen.
Sie
machen einen "ängstlich-gequälten" Eindruck
und oftmals äußert sich die Angst auch in körperlichen
Symptomen.
Bei
einigen Patienten steht nicht die traurige Verstimmung
und Angst, sondern vielmehr eine dysphorische
Stimmung im Vordergrund.
Sie
sind ausgesprochen mißmutig und gereizt.
Gut
gemeinte Ratschläge werden mürrisch abgewiesen.
Diese
launische Verstimmung kann in eine aggressive
Stimmungslage einmünden.
|
Denkhemmung
 |
Die
Denkhemmung ist ein weiteres dominierendes
Symptom der depressiven Erkrankungen.
Das
Denken ist einförmig und unproduktiv und kreist
zumeist um das Kranksein.
Die
Denkabläufe sind verlangsamt und die Konzentrationsfähigkeit
nimmt ab.
Die
Patienten berichten, daß zwar der Wille, etwas
auszusagen und ihre Gedanken zu konzentrieren,
vorhanden sei, daß ihr Denken aber, wie durch
einen Widerstand, gebremst werde.
Die
Denkhemmung tritt oft in Zusammenhang mit einer
Antriebshemmung auf.
|
Wahnideen
und Zwangsvorstellungen
 |
Es
gibt bei depressiv Erkrankten typische krankhafteEinbildungen,
die in Zusammenhang mit ihrem körperlichen und seelischen
Wohl stehen.
Bei
hypochondrischen Ängsten, die sich bis
zum Wahn steigern können, glauben die Patienten
z.B., körperlich unheilbar krank zu sein.
Verarmungsängste treten besonders bei älteren
Patienten auf, die sich nicht mehr vorstellen
können, daß ihr
Arbeitsplatz oder Einkommen gesichert sei.
Beim Schuldwahn äußern die Patienten Schuldgefühle
mit oft unrealistischen Argumenten.
Sie sehen z.B. einen Zusammenhang zwischen ihrer
Erkrankung und früherem beruflichen Versagen oder
sexuellen Verfehlungen
Bei einigen depressiven Patienten wird auch ein
nihilistischer Wahn, nämlich das Gefühl
nicht mehr zu existieren, beobachtet.
Zwangsvorstellungen sind bei depressiven Patienten
eher selten.
Zwangsgedanken, meist das eigene Unheil betreffend,
und ständiges Grübeln stehen im Vordergrund.
Es kommt zu zwanghaften Befürchtungen, z.B. jemand
anderen etwas Böses antun zu können.
|
Suizidalität
Das Suizidrisiko
ist bei depressiv Erkrankten besonders hoch.
|
Etwa
40-80% depressiver Kranker leiden an Suizidideen
und 20-60% haben bereits Suizidversuche unternommen.
Dabei
kann der Suizidversuch ernst gemeint und von massiver
Autoaggression getragen sein, oder aber Appellcharakter
haben und eine verzweifelte Bitte um Hilfe und
Kontakt darstellen.
Die
Suizidrate ist bei depressiven Patienten 30 mal
höher als in der Gesamtbevölkerung.
Rund 15% der
Patienten mit schweren Depressionen versterben
durch Suizid.
Diese Zahlen
verdeutlichen welch hohe Verantwortung bezüglich
der Prävention von Suiziden auf den Angehörigen
und Ärzten lastet.
|
II)
Psychomotorische
Störungen
Häufig ist es möglich,
allein aus dem äußeren Erscheinungsbild und Ausdrucksverhalten,
und nicht nur aus dem Erleben des Patienten, auf seine
depressive Symptomatik zu schließen.
Dabei sind Störungen
in den psychomotorischen "Äußerungen" wie
z.B. Gesichtsausdruck, Sprache, Körperhaltung und die
Art der Bewegungen sehr aufschlußreich.
Die wesentlichen
Störungen dieser Art sind:.
- Lust- und Antriebslosigkeit,
Nicht-Können; leere Hektik
- Psychomotorische Agitiertheit,
Getriebenheit
- Psychomotorische Hemmung,
Stupor
Psychomotorische
Agitiertheit
 |
Patienten
mit einer agitierten Psychomotorik wirken unruhig
und getrieben.
Sie
können nicht ruhig sitzen, die Hände sind in rastloser
Unruhe und ein leerer Beschäftigungsdrang befällt
sie.
Dabei
sind die Bewegungen ohne Ziel.
Dieser
agitierte Zustand ist häufig mit Klagen über den
Gesundheitszustand und einer ängstlichen Grundstimmung
verbunden.
Trotz
ihrer überbordenden motorischen Aktivität sind
die agitierten Patienten gleichzeitig in ihrem
zielorientierten Denken und im Antrieb gehemmt.
|
Psychomotorische
Hemmung
 |
Psychomotorisch
gehemmte Patienten zeigen nur geringe spontane Bewegungen,
wirken initiativlos und antworten in Gesprächen
nur auf intensives Befragen.
Die
stärkste Ausprägung einer gehemmten Psychomotorik
ist der Stupor - die Patienten sind fast
bewegungslos, sprechen nicht und reagieren auch
nicht auf die Zuwendungen der Angehörigen oder
des Arztes.
Die
psychomotorisch gehemmten Patienten sind schwunglos,
interessenlos, gleichgültig und es fehlt ihnen
an Unternehmungslust und Tatkraft, dabei empfinden
sie jedoch in ihrem Erleben eine quälende Unruhe.
|
III)
Vegetative Symptome
Die untenstehende
Punkte zeigt die typischen Symptome auf.
- Globaler Vitalitätsverlust
mit rascher Erschöpfbarkeit, Müdigkeit, Kraftlosigkeit
- Leibgefühlstörungen
(Druck-, Spannungs-, Schweregefühl)
- Appetitstörung, Gewichtsabnahme,
Obstipation
- Schlafstörungen (Ein-,
Durchschlafstörung, zerhackter Schlaf, morgendliches
Früherwachen, fehlende Erholung)
- Tagesschwankungen (Morgentief,
abendliche Aufhellung)
- Saisonale Abhängigkeit
der Depressionsauslösung
- Libidostörungen, Impotenz
beim Mann, Dysmenorrhoe bei der Frau
Vitalstörungen
 |
Bei
vielen depressiv Erkrankten geht die Depression
mit einer Beeinträchtigung der Vitalgefühle einher.
Sie
klagen über ständige Müdigkeit, Kraftlosigkeit
und Energiemangel.
Es
wird häufig ein Druck- oder Schmerzgefühl in der
Herz- oder Magengegend, oder ein Engegefühl im
Hals oder der Brust empfunden.
Zudem
wird der Kopf als schwer wie Blei beschrieben.
|
Schlafstörungen
 |
Bei
depressiven Störungen gehören Schlafstörungen zu
den frühesten Warnsymptomen und häufigsten
Klagen der Betroffenen.
So
leiden ca. 70% der depressiv Erkrankten an Schlafstörungen.
Bei endogenen Depressionen beträgt die Häufigkeit
sogar 90%.
Der
Beginn einer depressiven Erkrankung geht oftmals
mit Einschlafstörungen einher, später sind Schlafstörungen
mit Früherwachen häufiger.
Ein
vermehrtes Schlafbedürfnis wird nur selten beobachtet.
|
Tagesschwankungen
 |
Bei
depressiven Patienten sind Tagesschwankungen der
Befindlichkeit ein typische Erscheinung.
Die
depressiven Symptome sind frühmorgens und vormittags
besonders stark ausgeprägt.
Man
spricht in diesem Zusammenhang vom sogenannten
"Morgentief".
Abends
wird die Depression als nicht so schwer empfunden
und es ist eine abendliche Aufhellung
der Stimmung zu beobachten..
Bei
starken Depressionen sind im allgemeinen solche
Tagesschwankungen relativ schwach ausgeprägt,
während sie bei mittelgradigen und leichten Depressionsformen
stärker verspürt werden.
|
|