Johanniskraut
Johanniskraut (Hypericum perforatum)
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Johanniskraut (Hypericum perforatum) : Johanniskraut zur Behandlung einer Depression - mögliche Wirkmechanismen

Johanniskraut (Hypericum perforatum): Infos zu Wirkmechanismen, Wirkungsweise und Pharmakodynamik von Johanniskraut (Hypericum perforatum).
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Gliederung der nachfolgenden Ausführungen zum Thema mögliche Wirkmechanismen von Johanniskraut:

Der Johanniskraut-Inhaltstoff Hypericin als Monoaminoxidase-Hemmer (MAO-Hemmung)
Nach der sog. "Monoamin-Hypothese" gilt als Ursache für Depressionen ein Mangel an den beiden Nervenbotenstoffen (Neurotransmittern) Noradrenalin und Serotonin (beide sind chemisch betrachtet Monoamine). Dieser Mangel führt zu einer gestörten Erregungsübertragung von einer Nervenzelle zur nächsten und letztlich zu Depressionen.
Im synaptischen Spalt zwischen zwei Nervenzellen erfolgt, sozusagen als Schutz vor einer Übererregung, zum einen eine sofortige Wiederaufnahme (A) (Rückresorption; ca 90%) der Neurotransmitter und zusätzlich, im Neuron, ein enzymatischer Abbau (B) von nicht vesiku-lär gebundenem Noradrenalin und Serotonin durch die sog. Monoaminooxidase (MAO). Dieses Enzym baut die (monoaminen) Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin durch eine sog. oxidative Desaminierung zu unwirksamen (bezüglich der Nervenleitung) Produkten ab.
Für die Therapie der Depressionen ergibt sich aus den geschilderten Vorgängen eine einfache Logik: die Ursache des Neurotransmittermangels im synaptischen Spalt könnte dann entweder eine zu starke Rückresorption, oder ein zu starker Abbau der Transmitter sein. Folgt man diesem Model, dann wären all diejenigen Medikamente antidepressiv wirksam, die für eine Erhöhung des Noradrenalins und/oder Serotonins in der Präsynapse sorgen, damit genügend an der  (nachfolgenden) Postsynapse ankommt und die Weiterleitung des Nervenimpulses von einem aufs andere Neuron gewährleistet ist.

Genau hier greifen auch die meisten Antidepressiva über zwei Mechanismen an:
A) sog. "Wiederaufnahme-Hemmer" (reuptake inhibition) blockieren die Rückresorption von Noradrenalin und Serotonin.
B) die MAO-Hemmer blockieren den Neurotransmitter-Abbau durch die Monoaminooxidase.
Sowohl die Blockierung der Wiederaufnahme wie die Blockierung der MAO-Aktivität führt zu einem Anstieg der Monoaminkonzentration, wodurch der vermutete Mangel ausgeglichen wird.
Untersuchungen in den 80er Jahren ergaben, daß Hypericin eine MAO-Hemmung bewirkt. Neuere Studien ergaben jedoch, daß der Gesamtextrakt eine viel stärkere MAO-Hemmung bewirkt als Hypericin alleine. Verantwortlich werden hierfür die im Extrakt enthaltenen Xanthone, Flavone und Flavonole gemacht, deren Konzentration proportional zu der des Hypericins ist.

Abbildung Johanniskraut (Hypericum perforatum) : Johanniskraut zur Behandlung einer Depression - mögliche Wirkmechanismen

Johanniskraut-Extrakt als Catechol-O-Methyltransferase-Hemmer (COMT-Hemmung)
Noradrenalin kann im Neuron oder der Effektorzelle außer durch die MAO noch durch ein weiteres Enzym, die sogenannte Catechol-O-Methyltransferase (COMT) inaktiviert werden, von der es O-methyliert wird. Diese COMT-Hemmung konnte für einen Johanniskraut-(Hypericum)-Gesamtextrakt nachgewiesen werden. Hypericin alleine weist keine COMT-Hemmung auf. Als wirksame Substanzen werden Xanthone , Flavone und Flavonole in Betracht gezogen.

Abbildung Johanniskraut (Hypericum perforatum) : Johanniskraut zur Behandlung einer Depression - mögliche Wirkmechanismen

Der Johanniskraut-Inhaltsstoff Hypericin als Dopamin-ß-Hydroxylase-Hemmer
Dopamin gehört zu den Katecholaminen und ist biochemisch betrachtet eine Vorstufe von Noradrenalin und Adrenalin. Zudem fungiert es als Neurotransmitter an dopaminergen Neu-ronen. Dopamin wird in den Vesikeln noradrenerger Neurone durch das Enzym Dopamin-ß-Hydroxylase zu Noradrenalin umgebaut (hydroxiliert). Hypericin scheint die Dopamin-ß-Hydroxylase zu hemmen, wodurch weniger Dopamin zu Noradrenalin umgewandelt wird. Dies bewirkt, daß die Agitiertheit abnimmt und die Entspannung gefördert wird.

Abbildung Johanniskraut (Hypericum perforatum) : Johanniskraut zur Behandlung einer Depression - mögliche Wirkmechanismen

Modulation der Interleukin-6-Sekretion durch Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Möglicherweise greifen die wirksamen Bestandteile von Johanniskraut an Zellen des Immunsystems an. Diese Hypothese wird durch die Beobachtung gestützt, daß Patienten mit Depressionen häufig eine erhöhte Konzentration von Corticotropin-Releasinghormon (CRH) aufweisen. Dieses Polypeptid-Hormon wird im Hypothalamus gebildet und reguliert die Synthese von ACTH in der Adenohypophyse.
Das adrenocorticotrope (ACTH) oder auch Corticotropin genannte Hormon steuert seinerseits die Bildung von Glucocorticoiden in der Nebennierenrinde.
Die Glucocorticoide - Cortisol (Hydrocortison), Cortison und Corticosteron sind Steroide und an der Regulation des Glucosehaushaltes und an der Hemmung entzündlicher Reaktion beteiligt. Letzteres geschieht durch Hemmung der körpereigenen Abwehrmechanismen, wie z.B. des Leukozytenaustritts aus dem Gefäßsystem, der Leucozytenphagozytose, der Bakteriolyse und teilweise auch der Antikörperbildung (Immunsuppression).
Die Ausschüttung des Corticotropin-Releasinghormons (CRH) kann durch Mediatoren wie Interleukin-1 und Interleukin-6 stimuliert werden. Interleukine sind von Leukozyten sezernierte Substanzen der Immunregulation. Interleukin-1 wird von Makrophagen gebildet, stimuliert die T-Helferzellen, induziert eine Leukozytose im Rahmen einer Entzündungsreaktion und löst Fieber aus. Es wurde gezeigt, daß Extrakt aus Johanniskraut die Freisetzung von Interleukin-6 bei gesunden und depressiven Patienten unterdrückt. Die CRH-Spiegel sinken signifikant unter einer Therapie mit Johanniskraut. Dadurch könnte über die obige Hormon-Steuerungskaskade letzlich weniger Glucocorti-coide gebildet und das Immunsystem weniger supprimiert werden.

Steigerung der nächtlichen Melatonin-Ausschüttung durch Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Das in der Epiphyse (Zirbeldrüse) gebildete Hormon "Melatonin" wird durch enzymatische Umwandlung von Serotonin gebildet. Es hemmt die Gonadentätigkeit und wird in Zusammenhang mit der Schlafregulation gebracht.
Melatonin wird in engem zeitlichen Zusammenhang mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus ausgeschüttet. Die Melatonin-Synthese wird durch Licht gehemmt, deshalb ist die Melatoninkonzentration in der Nacht (150 Picogramm) um ein Vielfaches höher als am Tag (50 Picogramm).
Melatonin, das in Amerika als Nahrungsergänzungsmittel freiverkäuflich ist, wird bei uns   als "Wundermittel" bei Krebs, Alzheimer, Herz-Kreislauferkrankungen, Grauem Star diskutiert und soll überdies den Alterungsprozeß aufhalten. Zudem sollen Präparate aus synthetisch hergestelltem Melatonin das Einschlafen erleichtern. Die genaue Wirkung des Hormons im Organismus ist noch nicht geklärt.
Man vermutet, daß es vor allem antioxidativ wirkt und die Zellen vor den zerstörerischen Angriffen der freien Radikalen schützt. Es gibt Hinweise darauf, daß die exogene Applikation von Melatonin bei Blinden und Personen mit dem "jet-lag-Syndrom" den Schlaf-Wach-Rhythmus positiv beeinflußt. Für eine therapeutische Anwendung bei Schlafstörungen liegen aber bisher noch zu wenig Daten vor. Der Abbau von Serotin erfolgt durch die Monoaminooxidase (MAO).
Da Johanniskraut-Extrakte MAO-hemmend wirken, könnte es so zu höheren Serotonin- und in Folge zu höheren Melatonin-Spiegeln kommen.
Bremer Wissenschaftler konnten Melatonin in sehr geringen Mengen in einigen Heilpflanzen nachweisen. So in der Ringelblume, dem Bärlauch, im Baldrian und auch im Johanniskraut.


Verbesserte Lichtverwertung durch Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Über die bisher dargestellten verschiedenen Wirkmechanismen hinaus wird noch eine verbesserte Licht-Verwertung (Utilisation) unter einer Behandlung mit Johanniskraut diskutiert.  Danach sollen bestimmte Inhaltstoffe von Johanniskraut, die sog. Hypericine durch ihre photosensibilisierende Wirkung dafür sorgen, daß das auf die Haut auftretende Licht besser verwertet wird.
Licht kann die Stimmungslage verbessern - "Licht als Balsam für die Seele"- . Dies zeigen die Erfolge der Lichttherapie bei manchen Menschen mit "Winterdepressionen".


Johanniskraut-Gesamtpflanzenextrakt wichtiger als einzelne Bestandteile des Johanniskrauts (Hypericum perforatum)
Pharmakologischen Untersuchungen haben  gezeigt, daß der Gesamtextrakt aus Johanniskraut wirksamer ist als seine Einzelkomponenten und auch deutlich wirksamer als der spezifische Inhaltsstoff Hypericin ist. Bei Hypericin handelt es sich folglich um einen wirksamen, aber nicht den einzigen wirksamen Inhaltsstoff von Johanniskraut.


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